.jpg)
Im Folgenden will ich mich bemühen, das Thema unter Beachtung aller streng
wissenschaftlichen Grundsätze, wie es einer anspruchsvollen Aufgabe gebührt,
zu lösen - obwohl sie fast unlösbar scheint, denn
- alles, was man über Indien sagt, stimmt.
- unglücklicherweise stimmt aber auch das Gegenteil.
- nichts anderes gilt für Schlaraffia.
Der synthetische oder auch zusammenführende Vergleich zwischen indischen und schlaraffischen Zuständen wurde, so weit ich sehe, bislang nicht
dargestellt. Dabei drängt er sich, wie ich zeigen werde, gerade zu auf.
Da mir im Vorfeld strenge zeitliche Auflagen gemacht wurden, muss ich
darauf verzichten, das Thema in einer vertiefenden Dissertation zu erschöpfen.
Das hat allerdings auch den Vorteil, dass Ermüdungserscheinungen vermieden
werden.
Seit frühester Jugend fasziniert mich der Hinduismus. Er hat mich immer
wieder auf Reisen in seinen Bann
gezogen. Ich glaube, dass er auch meinen Entschluss, Schlaraffe zu werden,
beeinflusst hat.
Nun also zum Vergleich:
Einerseits der Hinduismus,
erfahrbar durch die Teilnahme am indischen
Alltag, an Pujas in den verschiedenen Tempeln,
Leichenverbrennungen oder
andererseits
die Schlaraffia,
erfahrbar durch die regelmäßige Teilnahme an den Sippungen des
Heimatreyches, Ausreiten in die befreundeten Reyche,
Der Hinduismus ist keine geschlossene dogmatische Lehre. Viele haben
versucht, ihn zu definieren. Er erneuert sich ständig selbst, wenn Menschen
von ihm inspiriert werden oder wenn sie in seinen Schriften, den Veden, lesen
und darin Gedanken, Erklärungen sowie Erfahrungen wiederfinden, die es ihnen
ermöglichen, ihre eigene Erlebniswelt in Worte zu fassen.
Grundlage der Hindugesellschaft ist das Kastenwesen im Kreislauf ständiger
Wiedergeburten.
Wer sich zu Lebzeiten Verdienste erworben hat, wird mit der Wiedergeburt in
eine höhere Kaste belohnt, bestenfalls in den Zustand höchster Erleuchtung
und Selbstauflösung versetzt. Wer hingegen schlecht war, wird im nächsten
Leben erniedrigt.
Ähnlich geht es bei den Schlaraffen zu. Die Verdienstvollen erlangen zum
Schluss einer Jahrung bei den Wahlen großartige Karrieresprünge. Die
Versager werden durch Abwahl gestraft.
Die vier Hauptkasten sind die Brahmanen (Priester),
Natürlich dient das Kastenwesen dem Schutz und den Privilegien der jeweils
höheren Kaste. Pech haben dabei die Schudras, die nur auf die Kastenlosen, die “Unberührbaren”,
hinabblicken können. Die
Angehörigen der höchsten Kaste, die Brahmanen, sind allein zuständig für
die richtige Ausführung der Opferhandlungen und die
Durchführung von Pujas.
Damit sichern sie sich alle politische Macht. Ohne feste Dogmatik fordert
der Hinduismus Gehorsam gegenüber den Brahmanen.
Wenn man ehrlich ist, sieht es bei Schlaraffia nicht sehr viel anders aus. Wir haben die
- ritterlichen Würdenträger, vergleichbar den
Brahmanen,
- normalen
Ritter, also das Kriegsvolk,
- Junker, Geschäftebesorger der Ritter und
- Knappen, am unteren Rand der Skala.
Je
höher angesiedelt die einzelnen Stände sind, desto weiter können sie nach
unten schauen. Den Knappen, Nummernträger und damit
jeglicher Individualität
beraubt, bleibt nur der Blick auf die schlaraffisch völlig ungeeigenten
Profanen, die Unberührbaren.
Shiva, der Herr der Welt, der Gnädige, der Mondbekränzte, der Besieger des Todes,
Vishnu, der Himmelskönig, der Welterhalter, der Allgewaltige, der Herr des Paradieses und
Brahma, Symbol des Absoluten. Brahma hat vier Köpfe, die seine vollständige Erleuchtung symbolisieren.
Jeder der Drei hat ein Reittier und eine Gefährtin.
Brahma reitet auf Hamsa, der Wildgans. Seine Gefährtin ist Sarasvati, Göttin der Kunst und des Wissens.
Vishnu fliegt auf dem Vogel Garuda. Ihm ist Lakshmi, Göttin der Schönheit, des Glücks und des Reichtums vermählt.
Shiva nimmt auf dem Bullen Nandi Platz. Er ist zugleich Zerstörer und
Erneuerer. Ihm ist Parvati,
lebensspendende und lebenserhaltende Mutter, beigegeben. Als Kali ist sie auch
Inkarnation der Zerstörung. Dann ist sie schwarz und tanzt mit einer Kette
von Menschenschädeln um den Hals auf niedergetrampelten Menschenleibern. Bis
in jüngste Zeit sind ihr auch Menschenopfer gebracht worden.
Dem
Dreigestirn ist eine Vielzahl von Göttern untertan, darunter Krishna (nicht
zu verwechseln mit dem Uhugleichen Krsna) und Ganesha mit dem Elefantenkopf.
Auch die übrigen Götter haben mehr oder weniger liebliche Gefährtinnen oder
Ehefrauen.
Das Bewusstsein neigt dazu, das Schöne zu lieben, das Großartige
zu bewundern und das Heldenhafte nachzuahmen. Damit ist die Brücke zur
Schlaraffia geschlagen.
Auch wir lieben und verehren unsere Burgfrauen als
Inkarnation des Schönen und Angenehmen. Ein Vergleich mit Kali allerdings fällt
mir nicht ein. Es erscheint mir unvorstellbar, das unsere lieblichen Wesen auf
malträtierten Leibern tanzen oder gar Blutopfer fordern könnten.
Andererseits ist ein gewisser Hang zu Aggressionen wohl nicht völlig
ausgeschlossen, desgleichen ein zeitweiliges Bemühen um Gängelung des göttlichen
Gefährten. Derartiges ist mir jedenfalls über andere Reyche als der
Hannovera schon mal zugetragen worden.
Die Bewunderung des Großartigen
Betritt der Schlaraffe seine Burg, überkommt ihn ein
Schauer unbändigen Glücksgefühls und damit verbunden das Bedürfnis, dem
Großen zu dienen. Dieses wird ihm nur zu bereitwillig geboten. Auf erhöhtem
Platze sitzen drei Gestalten, deren mittlere ihm bedeutet, was er zu tun und
zu lassen hat. Allerdings hat jeder von ihnen nur einen Kopf und nicht etwa
vier. Erleuchtet und unfehlbar sind sie zeitweilig allemal. Die
Oberschlaraffen haben auch nicht jeder sein eigenes Reittier. Das brauchen sie
nicht, weil immer nur einer von ihnen sein Ambt ausübt. Ihr gemeinsames
Reittier heißt
Ceremonienmeister.
Dieser wird dazu benutzt, dem Reych auf die Sprünge zu helfen und Andere zum
Einreiten zu veranlassen. Der Ceremonienmeister ist also in Personalunion die
Inkarnation der Reittiere Shivas, Vishnus un
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch die
Schlaraffia ihre mindergewichtigen Götter hat, nämlich die übrigen
Würdenträger.