Ritter Ganesha der selten Gleichzeitige

 

Kurze Geschichte des Hinduismus

Rund 2500 v. Chr. blühte in Indien die Induskultur, in der Naturphänomene als göttlicher Eingriff galten, ohne dass damit schon ein Pantheon personifizierter Götter in Verbindung gebracht wurde. Allerdings gab es schon Schlangenverehrung, sowie den Kult einer Muttergöttin, wie er ja so ziemlich in jeder frühen Kultur zelebriert wurde.

Die Indo-Germanen brachten bei ihrer Invasion rund 2000 v. Chr. die Verehrung personifizierter Götter mit. Die dazugehörenden mündlichen Überlieferungen wurden erst zwischen 1200 und 400 v. Chr. schriftlich festgelegt. Die heiligen Schriften, die Vedas, enthalten in drei Teilen Lobgesänge zur Verherrlichung der Götter (Samhitas), ausführliche Beschreibungen der priesterlichen Rituale und deren Inhalt und Bedeutung (Brahmanas) sowie philosophisch-mystische Abhandlungen über die Art und das Wesen der höchsten Wirklichkeit (Aranyakas und Upanishaden). Nach 400 v. Chr. entstand der Glaube an Brahman, das allerhöchste und alles durchdringende göttliche Prinzip und an Atman, die Manifestation dieses Prinzips in der menschlichen Seele (bei uns bekannt unter dem Namen "Höheres Selbst"). In der Zeit von 400 v. Chr. bis 600 n. Chr. entstanden die großen epischen Erzählungen des Hinduismus, die Ramayana, die Mahabharata und die Bhagavad-Gita. In diesen Epen wird der innere Kampf des Menschen beschrieben, welcher sich immer wieder zwischen Gut und Böse entscheiden muss.Die mitwirkenden Götter treten in menschlicher Gestalt auf und geben dem Menschen immer wieder Gelegenheit, mit dem Göttlichen in seinem Innern in Berührung zu kommen. Noch später entstanden dann die Puranas ("alte Erzählungen"), in denen alle Götter aufgezählt werden und die Instruktionen zur aktiven Verehrung enthalten. In den Puranas werden drei Hauptgötter genannt, die zusammen eine Dreifaltigkeit (Trimurti) formen: Brahma, Vishnu und Shiva. Die Inder hatten auch ohne moderne Physik und Chemie schon erkannt, dass unser gesamtes Universum ständiger Veränderung unterliegt und dass jeder Versuch einer Darstellung nur eine unvollkommene Momentaufnahme sein kann. Um doch ein vollständiges Bild des jeweiligen göttlichen Prinzips schaffen zu können, wurden Regeln für die Darstellung der verschiedenen Aspekte einer Gottheit entworfen. Haltung, Kleidung, Haartracht und Attribute erzählen zusammen dem Betrachter eine Geschichte. All die bunten Farben und Symbole haben eine tiefe religiöse Bedeutung. 

Obwohl der Name Shiva in den frühsten Schriften noch nicht enthalten ist, ist er eine der ältesten Gottheiten Indiens. Sein Name bedeutet "der Freundliche", doch ist er auch als "Herr der drei Welten", "Prinz der Asketen" und "Schützer des Tierreiches" bekannt. Sein Vorläufer, Rudra, war ein rauher und von den anderen Göttern gefürchteter Geselle. Er brachte Sturm und Verwüstung, hatte aber auch schon einige freundliche Züge.

(Aus den InderNettNews Nr. 125 von Bernd Symons))

 

Ganesha, die populärste Gottesfigur

Der wohl meist geliebte Gott im hinduistischen Pantheon ist Ganesha, der Gott mit dem Elefantenkopf, der von Hindus, Buddhisten und Jaina gleichermaßen verehrt wird. Er wird als Sohn von Shiva und Parvati gesehen.

Es gibt viele Versionen der Geschichte über die Herkunft seines Elefantenkopfes. Eine davon erzählt, wie Ganesha von seiner Mutter beauftragt wurde, das Haus in ihrer Abwesenheit zu bewachen, während Shiva sich zur Meditation in die Berge zurückgezogen hatte. Als Shiva in der Zwischenzeit zurückkehrte und von seinem Sohn nicht ins Haus gelassen wurde, schlug er ihm wutentbrannt den Kopf ab. Um Parvati in ihrer Trauer zu trösten, versprach Shiva ihr, dass Ganesha den Kopf des ersten Lebewesens erhalten sollte, dem Shiva begegnete. Zufällig war das ein Elefant, und weil beim Abschlagen des Kopfes ein Stoßzahn dran glauben musste, hat Ganesha nun einen Elefantenkopf mit nur einem Zahn.

Ganesha wird dickbäuchig, mit dem Körper eines Mannes, aber den Beinen eines Kindes, dargestellt. Er hat einen abgebrochenen Stosszahn und trägt um seinen Bauch eine Schlange als heiligen Faden.

Er wird auch mit vier Armen dargestellt. Sie repräsentieren die vier Aspekte des feinstofflichen Körpers: Geist, Intellekt, Ego und Bewusstsein. In einer Hand hält er eine Axt und in der anderen ein Fangseil. Die Axt symbolisiert die Zerstörung aller Wünsche und Bindungen. Mit dem Seil zieht Ganesha den Sucher aus seinen weltlichen Problemen und verbindet ihn mit ewiger Glückseligkeit. In der dritten Hand hält Ganesha eine Süßigkeit, die die Belohnung spiritueller Suche darstellt. In der vierten Hand hält er eine Lotusblume, die das höchste Ziel der menschlichen Evolution versinnbildlicht: Erleuchtung.

Ganeshas Reittier ist eine kleine Maus. Genauso wie sein Kopf und seine Gestalt schon immer indische Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker inspirierten, ist sein Reittier äußerst interessant. Stelle man sich die dickbäuchige Figur doch nur einmal auf einer Maus vor! Aber genau das ist sein Reittier. Auch hier gibt es endlose Vermutungen, warum ausgerechnet eine Maus ihm als Gefährt dienen soll. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es nur einer Maus gelingt, überall hin zu kriechen, in jeden Winkel und jede Ecke. Und genau das muss dem Beseitiger aller Hindernisse möglich sein. Für den Bauern gibt es keinen größeren Feind, als die Feldmaus. Wird aber der Gott Ganesha verehrt und günstig gestimmt, so kann er sich auch dieses Problems annehmen.

Ganesha ist für seine Intelligenz und Weisheit berühmt. Als Siva und Parvathi ihre beiden Söhne einen Wettstreit austragen ließen, trug Ganesha dank seiner Intelligenz den Sieg davon. Derjenige, der als erster dreimal die Welt umrundete, sollte der Sieger sein. Während Karthikeya, der jüngere Bruder, treu und brav dreimal den Globus umrundete, lief Ganesha nur dreimal um seine Eltern herum, da sie für ihn seine Welt waren.

Kein neues Unternehmen und keine Festlichkeit kann von Erfolg gekrönt sein, ohne vorher zu Ganesha geopfert zu haben, der einerseits Hindernisse verschwinden lässt, wenn es ihm beliebt, der aber andererseits ebenso Probleme schaffen kann, falls man ihn bei einem wichtigen Anlass vergisst.

Ganesha hat zwei Frauen. Sie heißen Riddhi (Erfolg) und Siddhi (Wohlstand). 

Weitere Informationen zum hinduistischen Pantheon entnehmen Sie bitte aus meinen Ausführungen " Hinduistische und schlaraffische Zustände im zusammenführenden Vergleich".

(Ausführungen zu Ganesha nach Sudhamahi Regunathan)